Arzt schildert Corona-Lage in Bergamo:

„Plötzlich bricht die Notaufnahme zusammen – die Situation ist dramatisch“ Von Sonja Ozimek 11. März 2020 Aktualisiert:

Ein italienischer Arzt hat das Drama rund um den Ausbruch des Coronavirus in Bergamo auf Facebook geschildert. In seinem Spital sei "der Krieg losgebrochen" und "die Schlachten sind erbarmungslos". Unterdessen fordert der Regierungschef der Lombardei "noch drastischere Maßnahmen" gegen das Coronavirus.


Die umfangreichen Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Epidemie in Italien gehen dem Regierungschef der besonders stark betroffenen Region Lombardei nicht weit genug. „Wenn die Epidemie sich weiter in dem Tempo ausbreitet, hält das (Gesundheits-)System das nicht lange aus“, sagte Regionalpräsident Attilio Fontana am Mittwoch in einem Interview mit der Zeitung „Corriere della Sera“.

„Also ist die einzige Waffe, die wir haben, die Epidemie zu verlangsamen, und dazu haben wir nur ein Mittel: die Kontakte zwischen Menschen reduzieren“, führte Fontana aus. Daher hätten er und die Bürgermeister der wichtigsten Städte der Lombardei der Regierung in Rom „geschrieben, um noch drastischer Maßnahmen zu fordern“.





Fontana gehört der Lega an, die in Opposition zur Demokratischen Partei und zur Fünf-Sterne-Bewegung steht, die Italien gemeinsam regieren. Schon vor dem Zeitungsinterview hatte der Regionalpräsident gefordert, alle Produktions-, Handels- und Verkehrsaktivitäten in der Lombardei auszusetzen – mit Ausnahme der Produktion und Verteilung von Lebensmitteln und Medikamenten.


Auf die Frage des „Corriere“-Journalisten, warum er diese Maßnahmen nicht selbst für die norditalienische Region anordne, sagte Fontana, dies wäre eine „politisch unerträgliche“ Entscheidung, da seine Regierung nicht der Regierung in Rom „zuwiderhandeln“ könne. Fontana hatte am Dienstag erst die Quarantäne verlassen, in die er sich wegen einer Coronavirus-Infektion eines Mitarbeiters vor zwei Wochen begeben hatte.


Italien zählt zu den Ländern, die weltweit am stärksten vom neuartigen Coronavirus betroffen sind. Kein Land in Europa hat höhere Fallzahlen.

Daher erklärte der italienische Regierungschef Giuseppe Conte das ganze Land in der Nacht zum Dienstag zur „Schutzzone“ mit umfangreichen Reisebeschränkungen und Versammlungsverboten. So sind Reisen nur noch aus dringenden beruflichen oder gesundheitlichen Gründen erlaubt, alle kulturellen, religiösen und Sportveranstaltungen wurden untersagt. Die Schulen und Hochschulen des Landes wurden schon vorher geschlossen.


Chirurg: „Der Krieg ist losgebrochen – die Schlachten sind erbarmungslos“

Unterdessen hat der Chirurg Daniele Macchini auf Facebook die dramatische Lage in einem Krankenhaus in Bergamo geschildert.

Der Arzt schreibt, dass er lange darüber nachgedacht habe, ob und was er über das, was in seiner Region geschehe, schreiben sollte. Er hätte nun aber das Gefühl, dass das Schweigen „überhaupt nicht mehr verantwortlich ist. Ich werde daher versuchen, zu vermitteln, was wir in Bergamo in diesen Tagen der Covid-19-Pandemie erleben.“


Er verstehe die Notwendigkeit, keine Panik zu verbreiten, aber die Bürger müsse die Botschaft von der Gefährlichkeit des Geschehens erreichen. Macchini schreibt, dass sich die Menschen teils einen „Dreck um die Empfehlungen scheren“ würden. Stattdessen würden sie sich „beschweren, dass sie nicht ins Fitnessstudio oder zu Fussballturnieren gehen können“. Da würde er erschaudern.

Innerhalb weniger Wochen sei die Situation, „gelinde gesagt, dramatisch. Mir fallen keine anderen Worte ein. Der Krieg ist losgebrochen und die Schlachten sind erbarmungslos, Tag und Nacht.“


„Plötzlich bricht die Notaufnahme zusammen“

Ständig würden neue Patienten in die Notaufnahme kommen. „Sie haben alles andere als die Komplikationen einer Grippe. Hören wir auf zu sagen, es sei eine schlimme Grippe!“, betont der Arzt. Er wisse, dass die Menschen aus Bergamo nicht ohne Grund in die Notaufnahme kommen würden. Sie hätten sich in der Krise ruhig und vernünftig verhalten. „Sie haben alle Hinweise befolgt. Eine Woche oder zehn Tage zu Hause mit Fieber, ohne rauszugehen und eine Infektion zu riskieren, aber jetzt können sie es nicht mehr ertragen. Sie atmen nicht genug, sie brauchen Sauerstoff“, schreibt er.


Das Bedürfnis nach Betten sei nun in seiner ganzen Dramatik angekommen. „Nacheinander füllen sich die leeren Abteilungen in einem beeindruckenden Tempo. Die Tafeln mit den Namen der Patienten, die je nach Operationseinheit unterschiedlich gefärbt sind, sind jetzt alle rot und statt einer Operation steht nun die Diagnose, die immer derselbe Mist ist: beidseitige Lungenentzündung.“


Ärzte aus den verschiedensten Sparten seien plötzlich Teil eines einzigen Teams, „um diesem Tsunami, der uns überwältigt hat, zu begegnen“, so Macchini weiter.


"Die Fälle multiplizieren sich, wir kommen auf eine Rate von 15-20 Aufnahmen pro Tag, alle aus dem gleichen Grund. Die Ergebnisse der Abstriche kommen nun nacheinander: positiv, positiv, positiv. Plötzlich bricht die Notaufnahme zusammen.“


Die Gründe für die Einweisung seien immer die gleichen: „Fieber und Atembeschwerden, Fieber und Husten, Ateminsuffizienz und so weiter“, betont der Arzt. „Die Tests, die aus der Radiologie kommen, zeigen alle ein Resultat: atypische bilaterale Pneumonie. Alle Patienten müssen eingeliefert werden. Jemand, der bereits intubiert ist, geht auf die Intensivstation. Für andere ist es jedoch schon zu spät.“


Überwältigende Solidarität

Das Personal sei erschöpft, fährt er fort. Die Menschen in der Klinik würden noch mehr Überstunden machen, als das sowieso schon der Fall wäre. „Ich sah die Müdigkeit in Gesichtern von Menschen, die trotz der ohnehin schon anstrengenden Arbeitsbelastung nicht klagen. Ich sah eine Solidarität von uns allen. Keiner, der nicht zu den Internistenkollegen geht und fragt: ‚Was kann ich jetzt für Sie tun?‘ Ärzte, die Aufgaben von Pflegepersonal übernehmen. Krankenschwestern mit Tränen in den Augen, weil wir nicht alle retten können. Es gibt keine Schichten mehr, keine Stunden. Das soziale Leben ist für uns ausgesetzt.“

Trotz aller Schutzmöglichkeiten, hätten sich auch einige Ärzte bereits infiziert.

Einige unserer Kollegen, die infiziert sind, haben auch infizierte Verwandte. Einige ihrer Verwandten kämpfen bereits zwischen Leben und Tod. Sagen Sie Ihren Familienmitgliedern, die älter sind oder andere Krankheiten haben, dass sie zu Hause bleiben sollen. Bringen Sie ihnen bitte ihre Einkäufe.“


Die Ärzte hätten keine Alternative. „Es ist unsere Aufgabe. Was ich tue, ist nicht meine gewohnte Arbeit, aber ich mache sie trotzdem und auch gerne. Ich versuche, mich nützlich zu machen, und Sie sollten das auch tun. Wir haben mit unserem Handeln Einfluss auf Leben und Tod von einigen Dutzend Menschen. Sie können mit Ihrem Handeln viel mehr beeinflussen.“



Empfehlung: Haben Sie Geduld

Der Bevölkerung rät er: „Haben Sie Geduld, denn Sie können momentan nicht ins Theater, in Museen oder ins Fitnessstudio gehen. Versuchen Sie, Mitgefühl mit den unzähligen alten Menschen zu haben, die das Virus töten könnte.“

Er schreibt, dass gerade eine „epidemiologische Katastrophe“ stattfinden würde und die Menschen dies ernst nehmen und ihre Lebensgewohnheiten in dieser Krise unbedingt ändern sollten.


„Bitte teilen Sie diese Nachricht. Wir müssen die Nachricht verbreiten, um zu verhindern, dass das, was hier passiert, in ganz Italien passiert.“


In Italien sind (Stand Mittwochmittag) bereits 10.149 Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Allein in der Region Lombardei – mit einer Bevölkerung von etwas mehr als einer Million Einwohnern – gibt es über 1200 Infizierte. In ganz Italien sind bislang 631 an dem Virus gestorben, 724 wurden geheilt.




Textquelle: www.epochtimes.de/…/arzt-schildert-… Bildquelle: p5.focus.de/…/coronavirus-ita… Originalquelle: www.facebook.com/photo.php


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