Wir sollen vergeben und vergessen

In den heutigen  Lesungen der Heiligen Schrift hören wir, dass wir anderen all ihre Vergehen gegen uns vergeben sollen. Und unsere Vergebung sollte nicht nur ein- oder zweimal, sondern siebenundsiebzig mal sieben sein. Siebenundsiebzig mal sieben bedeutet fortwährende Vergebung, Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr, und das ohne zu zählen. Das bedeutet, endgültiges Vergeben und Vergessen.


24. Sonntag im Jahreskreis A (13. September 2020)

Evangelium des Matthäus 18, 21 - 35


Predigt-Gedanken von Timon Ochieng Odeny (Kenia)


Wenn wir jemandem nicht vergeben, dann deshalb, weil wir ein Urteil über diese Person fällen. Wir bedenken dabei nicht,, dass wir auch  nicht rein sind und dass andere Menschen auch über uns urteilen. Jesus hat uns befohlen, andere nicht zu richten, damit wir nicht gerichtet werden. Denn nach dem Maß, in dem wir andere richten, indem wir uns weigern, ihnen ihre Verfehlungen zu vergeben, wird dasselbe Maß gegen uns angewendet werden, wenn unsere Zeit des Gerichts kommt (Mt 7,1-2). Dies ist im Evangelium symbolisch ausgedrückt worden, nämlich die Trennung von Böcken und Schafen. Das bedeutet die Anerkennung von Gut und Böse in uns gegenüber anderen.


Aber wie können wir jemandem vollkommen vergeben, ohne zu urteilen? Indem wir die Vergehen, die von der Person begangen wurden, völlig vergessen. Indem wir als  Kind Gottes vergeben, vergeben, wie Gott vergeben würde. In Seiner Heiligkeit hat Gott versprochen: "Keine der Sünden, die sie begangen haben, soll gegen sie erinnert werden; sie haben getan, was rechtmäßig und richtig ist, sie werden sicher leben.“ (Hesek. 33:16). Wie der Psalmist sagt: "Wer wird überleben, wenn Gott unsere Schuld markieren würde? Gott wird sich nicht mehr an die Sünden des Sünders erinnern, der tut, was recht ist...“ Er vergibt denen, die gegen ihn verstoßen haben, ohne zu zählen, ohne zurückzublicken, ohne das Vergehen jemals wieder zu erwähnen, als wäre es nie geschehen. Das ist heilige Vergebung.


"Unfähig zu vergeben, ist das größte Hindernis für die Heiligkeit!“ 

Erinnern wir uns an diese Worte: "Unfähig zu vergeben, ist das größte Hindernis für die Heiligkeit!“  Prägen wir uns diese lebensrettenden Worte in unseren Geist und in unsere Herzen ein. Die Seele, die nicht vergeben kann, hat nicht die Wahrheit Gottes in ihrem Herzen. Das bedeutet, dass ein solcher Mensch nicht rechtschaffen und vergebend ist, wie Gott es befohlen hat. Obwohl er sich dessen möglicherweise nicht bewusst ist, hat sich ein solcher Mensch als Adoptivkind Gottes zurückgezogen, bis er in seinem Herzen die Kraft zum Vergeben finden kann.


Die meisten von uns sind in ihrem Leben irgendwann einmal Opfer gewesen. Möglicherweise waren wir Opfer psychischen Missbrauchs wie etwa Unhöflichkeit, Rücksichtslosigkeit, ja, Verleumdung. Vielleicht waren wir auch Opfer von andauerndem psychologischen Missbrauch. Vielleicht waren wir Opfer körperlichen Missbrauchs, einer Disziplin, die über die Notwendigkeit von Disziplin hinausgeht.


Als Opfer können wir in unseren Herzen sagen: "Das ist nicht fair. Zuerst wurde ich vom Täter zum Opfer gemacht, und jetzt werde ich von Gott zum Opfer gemacht.“ Das ist nicht wahr! Gott hat niemanden zum Opfer gemacht! In seiner überströmenden göttlichen Liebe will Gott alle Seelen heilen, die Opfer geworden sind! Gott weiß, wie diese Seelen verletzt werden. Gott will, dass diesen Seelen vergeben wird, damit ihr psychisches Leiden ein Ende hat. Gott will die Narben entfernen, die den Opfern zugefügt wurden. Gott will, dass die Opfer ihre Vergangenheit loslassen, damit die Vergangenheit völlig verblassen kann. Warum sollte ein Mensch solche Leiden wünschen, die nur zu Bitterkeit, zu Streitigkeiten, zu Rache usw. führen? Sind diese Gefühle, Bitterkeit, Streit, Rache, vom Licht Gottes oder vom Fürsten der Finsternis? Wer ist hier der Meister, der die Person beeinflusst, um Leiden zu verfolgen?


Lasst uns beten, dass Gott uns den Heiligen Geist schickt, damit er uns hilft, vergeben und vergessen zu können. Jesus ist das Licht, das uns dazu führt, dem Willen des himmlischen Vaters zu gehorchen. Jesus sagte: "Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nie in der Finsternis wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben“ (Joh 8,12).




24. Sonntag im Jahreskreis A (13. September 2020)
Evangelium des Matthäus 18, 21 - 35

In jener Zeit 21 trat Petrus zu Jesus und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder/meiner Schwester vergeben, wenn er/sie gegen mich sündigt? 
Bis zu siebenmal? 
22 Jesus sagte zu ihm: Ich sage dir nicht: Bis zu siebenmal, sondern bis zu siebzigmal siebenmal. 
23 Mit dem Himmelreich ist es deshalb wie mit einem König, der beschloss, von seinen Knechten Rechenschaft zu verlangen. 
24 Als er nun mit der Abrechnung begann, brachte man einen zu ihm, der ihm zehntausend Talente schuldig war. 25 Weil er aber das Geld nicht zurückzahlen konnte, befahl der Herr, ihn mit Frau und Kindern und allem, was er besaß, zu verkaufen und so die Schuld zu begleichen. 26 Da fiel der Knecht vor ihm auf die Knie und bat: Hab Geduld mit mir! Ich werde dir alles zurückzahlen. 
27 Der Herr des Knechtes hatte Mitleid, ließ ihn gehen und schenkte ihm die Schuld. 
28 Als nun der Knecht hinausging, traf er einen Mitknecht, der ihm hundert Denáre schuldig war. Er packte ihn, würgte ihn und sagte: Bezahl, was du schuldig bist! 
29 Da fiel der Mitknecht vor ihm nieder und flehte: Hab Geduld mit mir! Ich werde es dir zurückzahlen. 
30 Er aber wollte nicht, sondern ging weg und ließ ihn ins Gefängnis werfen, bis er die Schuld bezahlt habe. 
31 Als die Mitknechte das sahen, waren sie sehr betrübt; sie gingen zu ihrem Herrn
und berichteten ihm alles, was geschehen war. 
32 Da ließ ihn sein Herr rufen und sagte zu ihm: Du elender Knecht! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich angefleht hast. 
33 Hättest nicht auch du mit deinem Mitknecht Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte? 
34 Und in seinem Zorn übergab ihn der Herr den Peinigern, bis er die ganze Schuld bezahlt habe. 
35 Ebenso wird mein himmlischer Vater euch behandeln, wenn nicht jede seinem Bruder/seiner Schwester von Herzen vergibt. 

 


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